Liebe Gemeinde,

glauben Sie an Wunder?
Mal ehrlich, wer zugibt, an Wunder zu glauben, muss mit Unverständnis rechnen. Wer glaubt denn heute noch an Wunder, in unserer aufgeklärten, modernen Gesellschaft?

Und doch, so möchte ich behaupten, sehnen sich die Menschen danach. So hat jeder von Ihnen sicher schon Sätze gehört, wie: „Wenn das passieren würde, das wäre ein Wunder!“ Und wie erstaunt sind Sie, wenn es dann auch geschieht. Man bekommt plötzlich die Stellenzusage, langersehnter Nachwuchs kündigt sich nach einer Zeit des Wartens nun doch an oder in der Zeit der Krankheit tritt eine Phase der Besserung ein, und es werden wieder kleine Schritte im Leben möglich. Es gibt doch Ereignisse bei denen wir sagen: „Das ist wunderbar!“

Ja, wir brauchen große und kleine Wunder, sie helfen uns zum Leben. Auch in unserer Kirchgemeinde hoffen wir noch immer auf ein Wunder. Unsere Pfarrstelle ist nach wie vor unbesetzt und Pfarrer Mallschützke aus Borna, der aktuell unser Vakanzpfarrer ist, verabschiedet sich alsbald in den Ruhestand. Und auch in der Verwaltung müssen wir uns an eine neue Situation gewöhnen. Sicher haben Sie schon gehört, dass Frau Neitzke zum 01.04. in die Friedhofsverwaltung nach Borna wechselte. Bezüglich einer Nachbesetzung der Verwaltungsstelle, die zukunftsorientiert ausgerichtet ist, befindet sich der Kirchenvorstand gerade in Verhandlungen und Abstimmungen. Es wird eine Übergangszeit geben, bei der nicht alles in dem von Ihnen gewohnten Ablauf funktionieren wird. Der Kirchenvorstand hofft daher auf Ihr Verständnis und tut sein Möglichstes, die Veränderung für Sie so gering wie möglich zu halten.

Doch auch die von der Landeskirche angestrebte Strukturreform fordert derzeit den Kirchvorstand in vollem Maße. Auch hier gilt es nicht überstürzt zu handeln, sondern die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und Sie können mir glauben, wir hoffen des Öfteren auf ein Wunder.

Im Kirchenjahr beginnt jetzt die Zeit der großen kirchlichen Feste: Palmsonntag, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt undPfingsten. Auch sie erzählen von Ereignissen, die todtraurig machen und zugleich wunderbar sind. So wunderbar, dass es manchmal kaum zu glauben ist. Einige dieser Wunder vollzogen sich leise und andere laut. Doch sie erzählen letztlich alle vom Leben, das uns geschenkt wird. Vom Leben, das wir jedes Jahr aufs Neue in der Natur bewundern dürfen und gerade jetzt im Frühling besonders gut zu beobachten ist. Vom Leben, das uns einmal geschenkt wird und an dem wir schon jetzt teilhaben dürfen.

Als die Frauen sich am Ostermorgen auf den Weg zum Grab machen, ahnten sie nicht, dass sie Zeuge eines Wunders sein würden. Sie erlebten es, sie glaubten es und sie erzählten es weiter: Denn was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich (Lk 18,27).

Ja, ich glaube an Wunder.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des Kirchenvorstands eine schöne Frühlingszeit

Ihre Susan Graichen