Kirche Lobstädt1

Bauliche und historische Besonderheiten

Die Kirche zu Lobstädt wurde vermutlich bereits im 13. oder 14. Jahrhundert errichtet. Zunächst befand sich am Ort des heutigen Gebäudes lediglich eine Kapelle und ein Friedhof. Nach 1610 wurde damit begonnen, das Kirchengebäude in der heute noch erhaltenen Größe zu errichten. Dies erfolgte in mehreren, deutlich voneinander unterscheidbaren Bauphasen. Der hintere Teil des Kirchenschiffs mit seinem Bogengewölbe entstand wesentlich früher als der vordere. 1698 wurde an der Kirche eine umfassende Reparatur vorgenommen. Zwei Brände und durch den 30jährigen sowie den Französischen Krieg bedingte Schäden zogen die Originalsubstanz des Gotteshauses stark in Mitleidenschaft. Dies betraf sowohl das Gebäude selbst als auch dessen Inneneinrichtung. 1839 wurde die Kirche mit hohem Kostenaufwand völlig erneuert. Dabei gestaltete man sie – innen wie außen – im damals vorherrschenden Zeitgeschmack um.

Mit der Sanierung des Turmdaches begann 1982 die bislang letzte Bau- und Instandsetzungsphase. Sie weitete sich schließlich zu einer Generalüberholung der gesamten Kirche aus. Auf diese Weise wurde nicht allein der Turm mit Schiefer und Kupfer belegt. Die Kirche erhielt eine neue Außenhaut und einen optisch abgestimmten Anstrich. Die bleiverglasten Fenster der Apsis wurden erneuert, ebenso sämtliche elektrische Anlagen. Ein neuer Fußboden wurde gelegt und das Dach des Kirchenschiffs mit Kunstschiefer gedeckt. Nach Abschluss dieser substanzerhaltenden Baumaßnahmen und Reparatur wurde das Gotteshaus innen restauratorisch ausgebessert und dem Baustil des 17. Jahrhunderts gemäß fachgerecht ausgemalt. Die Kirchenbänke wurden mit einer Elektroheizung versehen. Den krönenden Abschluss dieser Arbeiten bildete eine Generalüberholung der durch die Firma Urban Kreuzbach geschaffenen Orgel. Wie schon 1839 hatten auch jetzt wieder die Lobstädter Bürger und Gemeindemitglieder mit ihrem Engagement und kostenlosen Arbeitsstunden einen bedeutenden Anteil an der 8 Jahre andauernden Restaurierung. Am Sonntag nach Ostern 1990, also etwa 150 Jahre nach der letzten großen Erneuerung, konnte das Gotteshaus mit einem festlichen Gottesdienst wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Seitdem findet dort an Sonn- und Feiertagen jeweils in der zehnten Stunde der regelmäßige Gottesdienst statt.

Die Lobstädter Kirche birgt solche kulturgeschichtlich wertvollen Gegenstände wie Grabplatten der Herren Erasmus von Kunneritz (gest. 1563) und Hieronymus von Schleinitz (gest. 1603), die 1612 gegossenen Glocken, an Gemälden die von Rösler 1836 nach einer aus Rom stammenden Vorlage „der ungläubige Thomas“ sowie zwei Holzfiguren, Teile des in den 50er Jahren demontierten Kanzelaltars, die Mose und Johannes darstellen. Darüber hinaus nahm sie weitere Kunstschätze aus Kirchen auf, die der Überbaggerung zum Opfer fielen. Das betrifft besonders ein über 2,5 m großes Kruzifix aus der Kirche zu Görnitz und die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kanzel aus Rüben. Da letztere einer umfassenden Restaurierung bedarf, ist sie derzeit leider noch demontiert.

Die Lobstädter Glocken mahnen …

Seit 1941 haben die Lobstädter Einwohner ihr schönes Glockengeläut schmerzlich vermisst und mussten sich mit dem Läuten der kleinen Glocke abfinden. Nun sind die historisch wertvollen Glocken, die 1617 und 1626 gegossen wurden, wieder eingetroffen und werden in schöner Harmonie wieder erklingen. Bei ihrem Klang werden die Lobstädter Einwohner jederzeit daran erinnert werden, dass ein Mann, der so vermessen war, einer ganzen Welt den Krieg zu erklären, nicht davor halt machte, aus Kirchenglocken Kanonen gießen zu lassen. Denken wir immer daran, dass der Krieg den Menschen nur Entbehrung, Not und Zerstörung bringt. Deshalb müssen sich die Arbeiter und Geistesschaffenden, die Bauern und Gewerbetreibenden beim Ertönen der Glocken bewusst werden, dass sie sich nur im Frieden eine neue, schönere Welt aufbauen können. Erstmalig werden uns die Glocken zu Weihnachten zurufen:

Glück und Friede sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
schlagen wir des Volkes Feind.
Lasst das Licht des Friedens scheinen,
dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint.